Reportagen





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Gegeneinander – Nebeneinander – Miteinander. Über das Leben in einer wirklich multikulturellen Stadt

Die Mitarbeiter der deutschen Stiftung sind neugierig, ich versuche, ihnen alles zu erklären. Wie Funar Bürgermeister wurde, seinen Kampf gegen die zweisprachigen Inschriften, gegen Gedenktafeln, gegen Statuen, die Aufstellung neuer Denkmäler und neuer Gedenktafeln, seinen ganzen absurden, hysterischen Kampf um die Geschichte. Als ich endlich fertig bin, blicke ich in sprachlose, überforderte und schweigende Gesichter. Ich komme mir vor wie ein Astrophysiker, der Laien etwas von gekrümmter Raumzeit und von schwarzen Löchern erzählt. Die Deutschen schauen sich schweigend um. Sie stehen in einer Stadt voller rumänischer Flaggen und Nationalfarben. Parkbänke, Werbetafeln und Lichterketten in blau-gelb-rot. Eine Stadt wie ein großer, etwas eintöniger Jahrmarkt.


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„Holocaust? Welcher Holocaust?!“

In einem südrumänischen Ort wollte ein Lehrer in einem fakultativen Kurs die Geschichte des Holocausts unterrichten. Viele Schüler und Schülerinnen waren sehr interessiert und nahmen hochmotiviert teil. Doch dann bekam der Lehrer Probleme mit den Eltern, der Schulleitung, dem Kreisschulamt und dem Bildungsministerum.


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Ein Betrieb auf der Kostenflucht

Csaba Kirják kommt aus der Frühschicht, er sieht abgespannt aus und ist in schlechter Stimmung. Im Betrieb werden 330 Leute entlassen, ein Teil der Produktion wird ins Ausland verlagert. Heute ist ein Abteilungsleiter zu den Gruppen gegangen und hat gefragt, wer freiwillig gehen wolle. Viele wollten, wegen der Abfindungen. Kirják wollte nicht, aber der Abteilungsleiter hörte ihm einfach nicht zu, setzte ihn auf die Liste und lief weiter. Kirják ist Vertrauensmann der Gewerkschaft, er könne gar nicht gekündigt werden, sagt er, aber er ist nicht ganz sicher, und jetzt, nach Arbeitsschluss, will er ins Kreisgewerkschaftsbüro, sich vergewissern. Kirják regt sich auf. „Manche in der Firma behandeln dich wie einen Hund. Wo leben wir eigentlich? Ist das etwa Demokratie?“


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Halb Europa, halb Asien

Auch Bukarest hatte „Goldene Zeiten“. Doch die kulturelle und ethnische Vielfalt wurde ausradiert. Was den rumänischen Nationalisten nicht gelang, vollendete der Diktator Ceausescu.