Diktatur


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Die allgemeine Krise des Briefumschlags

Im kleinen Postamt am Boulevard der Freiheit trifft sich die Nachbarschaft, schwatzt, lädt ihre Sorgen ab, und jeder hat hier schon ein Zipfelchen Lebenszeit verbracht. Allerlei Leute arbeiten emsig im kleinen Postamt. Es ist zwar unklar, was für Geschäfte hier gemacht werden, aber sie blühen. Außer der Dame am Kundenschalter langweilt sich keiner der Angestellten. Die Palette der angebotenen Waren ist breit, nur Briefumschläge gibt es nicht. Von Zeit zu Zeit brechen unter den Kunden in der Warteschlange Tumulte aus.



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Wenn die Securitate zweimal klingelt: Jazz-Kenner und Straßenkehrer

B. hatte jahrelang darauf gewartet, dass die allmächtige und allwissende Securitate eines-Tages-eines-Nachts an seine Tür klopfen würde. An einem Herbstnachmittag des Jahres 1974, B. war 28 Jahre alt, war es soweit: Ein Offizier der Securitate klingelte an B.s Wohnungstür. Nach einigen Drohbemerkungen kam der Offizier zur Sache: Er wolle sich ein wenig über die mit B. befreundeten Jazzliebhaber unterhalten. B. war bereit: „Ich kann Ihnen viel erzählen, Sie müssen mir nur versprechen, dass meine Freunde nicht erfahren, dass ich sie denunziert habe.“